Nicht reif für die Herausforderung
Mittwoch, 25. April 2007, 14:12
Wir waren die erste Generation, die mit Umweltschutz aufwuchs: Tschernobyl, Waldsterben, Mülltrennung – alles Schlagworte aus den 80ern, der Zeit der politischen Sozialisation von uns jetzt 35-40 Jährigen, die wir Fackel der gesellschaftlichen Verantwortung in Zukunft tragen. Man sollte meinen, wir wären prädestiniert die Herausforderung Klimawandel anzunehmen. Dennoch, gerade wir sind es nicht.
Immer noch unterliegen wir dem Irrtum, Umweltschutz sei eine Frage von Politik und Moral. Die Fronten von damals prägen noch immer die Wahrnehmung: Was warst du? Grüner Öko-Spinner oder Wirtschafts-Realist; egal beide Spezies mussten einsehen, dass sie Unrecht hatten: Weder ging die Welt in den letzten 20 Jahren unter, noch stellten sich Umweltprobleme als irrelevant heraus.
Der Wald starb nicht, im Gegenteil, es geht ihm heute wieder besser – die Maßnahmen, aus der politischen Debatte geboren, greifen. Es war also doch nicht umsonst. Kein Auto mehr ohne Kat. Mülltrennung gehört in bürgerlichen Vorstadthaushalten, konservativer wie linker Prägung, längst zum guten Ton. FCKW ist gebannt, das Ozonloch wächst kaum mehr. Dafür wächst die Wirtschaft, global. Ehemals arme Weltgegenden sind lukrative Märkte, ärgerlicherweise wandern sogar die Arbeitsplätze nach dorthin ab. Umso mehr ein Argument, dass man es mit dem Umweltschutz nicht übertreiben sollte, meinen manche.
Alles in Allem handeln wir aber ökologisch und ökonomisch richtig, was will man mehr. Und jetzt das: Globaler Klimawandel. „Gibt es gar nicht!“, heißt es noch allenthalben. Oder zumindest: „Völlig übertrieben!“ Man will den den düsteren Zukunftsbildern von Wirbelstürmen, überschwemmten Küsten und Wassermangel nicht so recht Glauben schenken. „Kennen wir schon!“, sagen wir uns und blicken auf der Rückfahrt vom Wertstoffhof versonnen Richtung Wald, schön grün und von der sich regenierenden Ozoschicht geschützt. Und demnächst werden in unserem Zuhause Solaranlage und Wärme-Dämmung installiert. Wir handeln doch richtig, so gut wir eben können. Aufs Auto verzichten, geht halt nicht. Und wenn schon, was bringt es, wenn jedes Jahr 100000 neue Autos in China zugelassen werden?
Richtig: Nichts bringt es. Der CO2 Gehalt steigt weiter und mit ihm die Erderwärmung. Was soll man schon als Einzelner dagegen ausrichten? Man redet auch nicht drüber, da plagt einen ja das schlechte Gewissen. Die, die es tun, sind Wissenschaftler, und die reden viel. Nicht aber etwa in Kategorien von Moral und richtig oder falsch, stattdessen stellen sie Fakten fest, gewinnen aus Einzelbefunden Erkenntnisse, revidieren frühere falsche Theorien. Der Klimawandel ist eine Frage des Wissens und Lernens. Welche Eingriffe haben in dem komplexen System von Wasser, Luft und Temperatur welche Auswirkungen? Denn Auswirkungen sind zweifelsfrei da, egal ob Prognosen den Zeitraum bis zum Schmelzen der Polkappen, Austrocknen des Regenwalds oder Versiegen des Golfstroms auf 40, 60 oder 80 Jahre schätzen. Jede Maßnahme, die die Menschheit jetzt oder in 10 Jahren zum Schutz ergreift, wirkt ohnehin nur in den gleichen Zeiträumen. Der Schadstoffhandel des Kyoto-Protokolls, würde es endlich voll anerkannt werden, ist unausgeglichen und greift ohnehin zu kurz. Aber es hat trägt zur Verminderung des weltweiten CO2-Gehalts bei, was um so wichtiger ist, denn die meisten Länder der Erde beuen ihre Stromversorgung durch Kohlekraftwerke aus und erhöhen CO2-Gehalt und Erderwärmung dadurch kontinuierlich und auf Jahre hinaus.
Die Urteilshoheit über Umweltschutzmaßnahmen liegt schon lange nicht mehr bei der Politik, sondern bei der Wissenschaft. Klimawandel ist eine globale Herausforderung. Der Großteil der Weltgesellschaft hat noch nicht einmal Anteil am Wohlstandskuchen und er wird auch nicht aufhören, danach zu streben – mit entsprechend negativer Auswirkung auf Auto- und CO2-Dichte. Die westlichen Gesellschaften stehen vor einer großen Herausforderung. Natürlich, die Politik könnte die Verantwortung noch viel mehr annehmen und gesellschaftlich gestalten: Gesetze, Verordnungen, Verträge haben sich in der Vergangenheit als wirksames Steuerungsinstrument erwiesen. Natürlich könnte die Wirtschaft globalen Umweltschutz noch mehr als Markt, denn als notwendiges Übel erkennen. Alles wichtig und richtig. Aber damit sollte unser Denken als Umwelt-Betroffenheits-Generation mit marktwirtschaftlichem Anstrich nicht schon an seine Grenzen stoßen. Natürlich können wir auch alle öfter mal wieder zu Fuß gehen. Den Klimawandel werden wir damit kaum beeinflussen – zu verhindern ist er ohnehin nicht mehr.
Die eigentliche Herausforderung ist die: Wie machen wir die nächste Generation fit für die ungeheuren weiteren wissenschaftlichen Entdeckungen, die sie zu machen hat, um das komplexe System Erdatmosphäre weiter zu erforschen und vielleicht irgendwann so weit zu beherrschen, dass eine – hoffentlich in Wohlstand und Frieden lebende – Weltgesellschaft der Zukunft weiter darin existieren kann. Wie schaffen wir ein gesellschaftliches Bewusstsein, das den dafür nötigen wissenschaftlichen Fortschritt nicht dadurch lähmt, dass es Fakten mit Moral und politischen Meinungswettstreit mit wissenschaftlicher Erkenntnis verwechselt?
Sind wir „Waldsterben-Kinder“ dazu fähig, unsere eigenen Kinder zu reiferen Urteilen zu verhelfen als wir es im Moment vermögen? Denn die Moral hat durchaus ihren Platz. Die Menschheit steht vor einem moralischen Dilemma: Wie verbinde ich meinen Wohlstand und ein Leben in einem gesicherten Ökosystem miteinander? Gar nicht zu reden vom Wohlstandsbedürfnis des Rests der Welt. Dieses moralische Dilemma in Zukunft auszuhalten, jeden Tag, – den es wird schlimmer werden – das bedarf einer gefestigten Erziehung und einer umfassenden Bildung.
Können wir Eltern, Lehrer, Vorbilder, können Politiker, Wirtschaftführer, Wissenschaftler unserer Generation jetzt das Richtige tun und ein Bewusstsein für die ungeheure Verantwortung entwickeln helfen, damit nicht erst die Generation der in 20 Jahren Verantwortlichen damit anfangen muss. Denn es macht einen Unterschied für die Zukunft der Menschheit, ob ein Jugendlicher heute oder erst sein Nachfolger in 20 Jahren einen Weg einschlägt, der ihn zur Entdeckung der kalten Fusion am Ende eines langen Forscherlebens im Alter von 60 Jahren führt. Dies alles immer vorausgesetzt, dass ein anderer Jugendlicher einen Weg einschlägt, der es ihm ermöglicht bei der Vergabe von Forschungsgelder nach den richtigen Kategorien zu urteilen. Vielleicht ist, was wir heute unseren Kindern mitgeben sogar der entscheidende Unterschied, denn im Moment ist alles, was wir über die Klimaprognosen wissen, dass sie vor allem sehr sehr vage sind.
Immer noch unterliegen wir dem Irrtum, Umweltschutz sei eine Frage von Politik und Moral. Die Fronten von damals prägen noch immer die Wahrnehmung: Was warst du? Grüner Öko-Spinner oder Wirtschafts-Realist; egal beide Spezies mussten einsehen, dass sie Unrecht hatten: Weder ging die Welt in den letzten 20 Jahren unter, noch stellten sich Umweltprobleme als irrelevant heraus.
Der Wald starb nicht, im Gegenteil, es geht ihm heute wieder besser – die Maßnahmen, aus der politischen Debatte geboren, greifen. Es war also doch nicht umsonst. Kein Auto mehr ohne Kat. Mülltrennung gehört in bürgerlichen Vorstadthaushalten, konservativer wie linker Prägung, längst zum guten Ton. FCKW ist gebannt, das Ozonloch wächst kaum mehr. Dafür wächst die Wirtschaft, global. Ehemals arme Weltgegenden sind lukrative Märkte, ärgerlicherweise wandern sogar die Arbeitsplätze nach dorthin ab. Umso mehr ein Argument, dass man es mit dem Umweltschutz nicht übertreiben sollte, meinen manche.
Alles in Allem handeln wir aber ökologisch und ökonomisch richtig, was will man mehr. Und jetzt das: Globaler Klimawandel. „Gibt es gar nicht!“, heißt es noch allenthalben. Oder zumindest: „Völlig übertrieben!“ Man will den den düsteren Zukunftsbildern von Wirbelstürmen, überschwemmten Küsten und Wassermangel nicht so recht Glauben schenken. „Kennen wir schon!“, sagen wir uns und blicken auf der Rückfahrt vom Wertstoffhof versonnen Richtung Wald, schön grün und von der sich regenierenden Ozoschicht geschützt. Und demnächst werden in unserem Zuhause Solaranlage und Wärme-Dämmung installiert. Wir handeln doch richtig, so gut wir eben können. Aufs Auto verzichten, geht halt nicht. Und wenn schon, was bringt es, wenn jedes Jahr 100000 neue Autos in China zugelassen werden?
Richtig: Nichts bringt es. Der CO2 Gehalt steigt weiter und mit ihm die Erderwärmung. Was soll man schon als Einzelner dagegen ausrichten? Man redet auch nicht drüber, da plagt einen ja das schlechte Gewissen. Die, die es tun, sind Wissenschaftler, und die reden viel. Nicht aber etwa in Kategorien von Moral und richtig oder falsch, stattdessen stellen sie Fakten fest, gewinnen aus Einzelbefunden Erkenntnisse, revidieren frühere falsche Theorien. Der Klimawandel ist eine Frage des Wissens und Lernens. Welche Eingriffe haben in dem komplexen System von Wasser, Luft und Temperatur welche Auswirkungen? Denn Auswirkungen sind zweifelsfrei da, egal ob Prognosen den Zeitraum bis zum Schmelzen der Polkappen, Austrocknen des Regenwalds oder Versiegen des Golfstroms auf 40, 60 oder 80 Jahre schätzen. Jede Maßnahme, die die Menschheit jetzt oder in 10 Jahren zum Schutz ergreift, wirkt ohnehin nur in den gleichen Zeiträumen. Der Schadstoffhandel des Kyoto-Protokolls, würde es endlich voll anerkannt werden, ist unausgeglichen und greift ohnehin zu kurz. Aber es hat trägt zur Verminderung des weltweiten CO2-Gehalts bei, was um so wichtiger ist, denn die meisten Länder der Erde beuen ihre Stromversorgung durch Kohlekraftwerke aus und erhöhen CO2-Gehalt und Erderwärmung dadurch kontinuierlich und auf Jahre hinaus.
Die Urteilshoheit über Umweltschutzmaßnahmen liegt schon lange nicht mehr bei der Politik, sondern bei der Wissenschaft. Klimawandel ist eine globale Herausforderung. Der Großteil der Weltgesellschaft hat noch nicht einmal Anteil am Wohlstandskuchen und er wird auch nicht aufhören, danach zu streben – mit entsprechend negativer Auswirkung auf Auto- und CO2-Dichte. Die westlichen Gesellschaften stehen vor einer großen Herausforderung. Natürlich, die Politik könnte die Verantwortung noch viel mehr annehmen und gesellschaftlich gestalten: Gesetze, Verordnungen, Verträge haben sich in der Vergangenheit als wirksames Steuerungsinstrument erwiesen. Natürlich könnte die Wirtschaft globalen Umweltschutz noch mehr als Markt, denn als notwendiges Übel erkennen. Alles wichtig und richtig. Aber damit sollte unser Denken als Umwelt-Betroffenheits-Generation mit marktwirtschaftlichem Anstrich nicht schon an seine Grenzen stoßen. Natürlich können wir auch alle öfter mal wieder zu Fuß gehen. Den Klimawandel werden wir damit kaum beeinflussen – zu verhindern ist er ohnehin nicht mehr.
Die eigentliche Herausforderung ist die: Wie machen wir die nächste Generation fit für die ungeheuren weiteren wissenschaftlichen Entdeckungen, die sie zu machen hat, um das komplexe System Erdatmosphäre weiter zu erforschen und vielleicht irgendwann so weit zu beherrschen, dass eine – hoffentlich in Wohlstand und Frieden lebende – Weltgesellschaft der Zukunft weiter darin existieren kann. Wie schaffen wir ein gesellschaftliches Bewusstsein, das den dafür nötigen wissenschaftlichen Fortschritt nicht dadurch lähmt, dass es Fakten mit Moral und politischen Meinungswettstreit mit wissenschaftlicher Erkenntnis verwechselt?
Sind wir „Waldsterben-Kinder“ dazu fähig, unsere eigenen Kinder zu reiferen Urteilen zu verhelfen als wir es im Moment vermögen? Denn die Moral hat durchaus ihren Platz. Die Menschheit steht vor einem moralischen Dilemma: Wie verbinde ich meinen Wohlstand und ein Leben in einem gesicherten Ökosystem miteinander? Gar nicht zu reden vom Wohlstandsbedürfnis des Rests der Welt. Dieses moralische Dilemma in Zukunft auszuhalten, jeden Tag, – den es wird schlimmer werden – das bedarf einer gefestigten Erziehung und einer umfassenden Bildung.
Können wir Eltern, Lehrer, Vorbilder, können Politiker, Wirtschaftführer, Wissenschaftler unserer Generation jetzt das Richtige tun und ein Bewusstsein für die ungeheure Verantwortung entwickeln helfen, damit nicht erst die Generation der in 20 Jahren Verantwortlichen damit anfangen muss. Denn es macht einen Unterschied für die Zukunft der Menschheit, ob ein Jugendlicher heute oder erst sein Nachfolger in 20 Jahren einen Weg einschlägt, der ihn zur Entdeckung der kalten Fusion am Ende eines langen Forscherlebens im Alter von 60 Jahren führt. Dies alles immer vorausgesetzt, dass ein anderer Jugendlicher einen Weg einschlägt, der es ihm ermöglicht bei der Vergabe von Forschungsgelder nach den richtigen Kategorien zu urteilen. Vielleicht ist, was wir heute unseren Kindern mitgeben sogar der entscheidende Unterschied, denn im Moment ist alles, was wir über die Klimaprognosen wissen, dass sie vor allem sehr sehr vage sind.